The Mill And The Cross

Schweden/Polen 2010, 92 Minuten, 35mm, E/d/f Farbe

REGIE, DREHBUCH: Lech Majewski
MIT: Rutger Hauer, Michel York, Charlotte Rampling

› Bruegels Gemälde als Spielfilm

Der polnische Maler, Poet und Filmkünstler Lech Majewski präsentiert eine betörende Liaison von Malerei und Film, gleichermassen Augenschmaus, verstörendes Historienbild und Kunstreflexion.

Wohltuend frei von der Anekdotenhaftigkeit herkömmlicher biografischer Filme über Künstler nähert sich Majewski einer bewegten Epoche über eines ihrer Meisterwerke an: Er verfilmt kongenial ein Gemälde des flandrischen ‹Ausnahmemalers› Pieter Bruegel des Älteren (1525/30 – 1569), den Aufstieg zum Kalvarienberg
aus dem Jahre 1564. Als ‹Drehbuch› fungierte die berühmte kunsthistorische Analyse von Michael Francis Gibson. Von den rund 500 Figuren, die Bruegels Gemälde bevölkern, begleitet Majewskis Film ein gutes Dutzend. Rutger Hauer verkörpert Pieter Bruegel, malender Chronist, Seismograf seiner grausamen Epoche und Visionär, Charlotte Rampling ist Bruegels Modell für die trauernde Gottesmutter Maria, und als Bruegels Mäzen Nicolaes Jonghelinck fungiert Michael York. Sie sind die drei einzigen Sprechrollen, alle weiteren Akteure agieren schweigend, doch in beredter Körpersprache und mit immensem Geräuschrepertoire. Der Zuschauer taucht mit ihnen ein in die bizarre ‹Weltlandschaft› des Bruegel’schen Kosmos und damit in eine Meditation über die Conditio humana.
Glaubwürdigkeit und historische Treue in Gestaltung und Inhalt standen stets an oberster Stelle: Drei Jahre nahm die Realisation des Films in Anspruch, Sets wie das Innere der imposanten Getreidemühle wurden real gebaut, unzählige Kostüme detailgetreu nachgeschneidert und mit damaligen Pigmenten gefärbt. Von hinreissender Finesse ist bereits die Eröffnungssequenz, bei der wir die Figurengruppe um Gottesmutter Maria, Johannes und Maria Magdalena beim Ankleiden und Drappieren der (malerischen) Falten beobachten dürfen, bevor sie als Tableau vivant mit der lebhaften Szenerie des Bildes verschmelzen. Authentisch war seinerzeit auch jene Folterszene der spanischen katholischen Besatzungsmacht an einem vermeintlich protestantischen ‹Ketzer›, die ebenso detailgetreu geschildert wird wie die Kreuzigung Christi als Volksbelustigung – Sinnbilder, die im Gemälde wie im Film als Plädoyer für Toleranz und für eine humanistische Wende stehen und nichts an Aktualität eingebüsst haben. Formalästhetisch einzigartig sind die filmischen ‹Tapisserien›, die eine mehrlagige Staffelung der Protagonisten vor dem von Majewski eigenhändig lebensgross gemalten Bildgrund zeigen, raffiniert und zeitgemäss verwoben mit subtiler Blue-Screen-Animation.
The Mill And The Cross darf als eines der faszinierendsten visuellen Erlebnisse gesehen werden, die der Film – als künstlerisches ‹Nachfolgemedium› der Malerei – dem Kino seit langem schenkte; ein Spielfilm, der den malerischen Raum perfekt in filmische Bewegtbilder übersetzt und neue Massstäbe setzt. Nicht nur für Kunstliebhaber. Elke Kania

• Kino Kunstmuseum
Donnerstag, 26. Jan. 12 > 20:30 h
Freitag, 27. Jan. 12 > 20:30 h
Samstag, 28. Jan. 12 > 20:30 h
Sonntag, 29. Jan. 12 > 20:30 h
Montag, 30. Jan. 12 > 20:30 h
Dienstag, 31. Jan. 12 > 20:45 h
Mittwoch, 1. Feb. 12 > 20:30 h
• Kellerkino
Donnerstag, 2. Feb. 12 > 18:30 h
Freitag, 3. Feb. 12 > 18:30 h
Samstag, 4. Feb. 12 > 18:30 h
Sonntag, 5. Feb. 12 > 18:30 h
Montag, 6. Feb. 12 > 18:30 h
Dienstag, 7. Feb. 12 > 18:30 h
Mittwoch, 8. Feb. 12 > 18:30 h
Sonntag, 12. Feb. 12 > 18:40 h
Samstag, 18. Feb. 12 > 15:00 h