Nachrichten aus der ideologischen Antike
Deutschland 2009, 84 Min., DigiBeta, D/f, Farbe und Schwarzweiss
REGIE, DREHBUCH: Alexander Kluge
MIT: Oksana Bulgakowa, Durs Grünbein, Oskar Negt, Peter Sloterdijk, Boris Groys, Helge Schneider
«Der Entschluss steht fest, ‹Das Kapital› nach dem Szenarium von Karl Marx zu verfilmen», notierte Sergej Eisenstein am 12. Oktober 1927. Eisenstein, der mit Panzerkreuzer Potemkin (1926) die Filmsprache revolutionierte, wollte Marx’ Buch ‹kinofizieren›. Die Herausforderung, die von einem solchen Werk ausgeht, so glaubte Eisenstein, würde die Filmkunst von Grund auf umrücken. Ihm schwebte die Anwendung völlig neuer, von James Joyce’ ‹Ulysses› abgeleiteter Formen vor.
80 Jahre später kommentiert Alexander Kluge Eisensteins monumentalen Plan. Er sammelt filmische Miniaturen zu Marx’ Theorie, die uns so nah und so fern ist wie die Antike, und montiert ganz unterschiedliche Perspektiven auf ‹Das Kapital›. Nachrichten aus der ideologischen Antike ist eine fast zehnstündige Komposition aus stehenden Bildern, dokumentarischen und inszenierten Filmsequenzen, Interviews und Schrifttafeln, alles umspült von einem das träumerische Denken fördernden und tragenden Strom von Musik. Zur Vielfalt der Genres kommt die der Tonarten: Die virtuose, ernste Komik Helge Schneiders in der Rolle des Hartz-IV-Anwärters Atze Mückert steht neben der blitzend hellen verspielten Intelligenz Dietmar Daths. Fürs Kino hat Alexander Kluge ein filmisches Kondensat von 84 Minuten realisiert.