Hanezu no tsuki
Japan 2011, 91 Min., DCP, OV/d, Farbe
REGIE, DREHBUCH: Naomi Kawase
MIT: Tota Komizu, Tetsuya Akikawa, Kirin Kiki, Taiga Komizu, Akaji Maro
Locarno ehrt die Japanerin Naomi Kawase mit einer Homage!
Im Rahmen des Filmfestivals von Locarno sind vier ältere, mittellange Filme der Japanerin Naomi Kawase zu sehen.
Gängige Geschichten hat die Japanerin Naomi Kawase noch nie erzählt. Sie setzt bei den Realitäten an, die sie in ihrer Heimatregion findet, und entwirft daraus zum Beispiel eine Liebesgeschichte. Diese spielt sich nicht nur um drei Menschen ab, die Natur wirkt da mindestens so prägend. Kayoko ist Textilfärberin und lebt mit dem Werber Tetsuya zusammen, der seine Leidenschaft in der Kochkunst auslebt. Der Dritte im Bunde ist Takumi. Er fertigt Holzskulpturen und lebt abgeschieden im Grünen. Man weiss nicht, wie lange das Dreiecksverhältnis andauert, aber ein dramatisches Element bringt es in Bewegung: Kayoko ist schwanger. Dies eröffnet sie ihrem Liebhaber nach einem Nachmittag voller Sinnlichkeit, als gehöre es zum Abschiedsgruss. Ein visuelles Gedicht über die Liebe, die Leiden schafft.
Naomi Kawases jüngster Film ist für mich ein coup de coeur. Mit ,Hanezu no tsuki’ versucht sie im Prinzip das Gleiche wie Terrence Malick mit seinem ,Tree of Life’: Eine poetische Annäherung an das menschliche Drama der Liebe seit Urbeginn der Welt. Aber wo Malick zu überwältigen sucht, singt Kawase ein leises Lied. (Radio DRS, Michael Sennhauser)